Bauaufsichtliche Zulassung

Kebony Clear Decking 22x142 mm erhält als erstes modifiziertes Holz die bauaufsichtliche Zulassung

Für tragende Konstruktionen dürfen nur bewährte Holzarten wie beispielsweise Lärche, Eiche, Bongossi oder Ipé mit der entsprechenden Qualitätssortierung verwendet werden. Ansonsten ist eine bauaufsichtliche Zulassung der verwendeten Hölzer vorgeschrieben. Kebony hat nun als erstes modifiziertes Holz die bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik erhalten. Das erweitert dessen Einsatzmöglichkeiten enorm.

Tragende oder nicht-tragende Funktion?

Terrassen, Balkone und ähnliche Holzkonstruktionen im Außenbau sind nach DIN 68 800, Teil 1 meist der Gebrauchsklasse 3 zuzuordnen. Kriterien sind dabei die direkte Bewitterung (nicht unter Dach) und kein ständiger Erd- oder Wasserkontakt. Kann das befeuchtete Holz schnell wieder abtrocknen, gehört es in die Gebrauchsklasse 3.1. Ist aber anzunehmen, dass sich Wasser im Holz anreichert, auch räumlich begrenzt, dann gehört es in die Gebrauchsklasse 3.2.

Hölzer tragender Konstruktionen dieser Gebrauchsklassen sollten mindestens die Dauerhaftigkeitsklasse 2 aufweisen oder durch Kesseldruckimprägnierung chemisch geschützt sein. Das bedeutet auch, dass bei natürlich dauerhaften Hölzern maximal 5% Splintanteil erlaubt ist. Für Gebrauchsklasse 3.1 kann auch Kernholz der Douglasie und der Lärche verwendet werden, obwohl diese Holzarten nur der Dauerhaftigkeitsklasse 3-4 zugeordnet sind.

Hat das Holz tragende Funktion und wird die Terrasse, der Steg oder der Balkon in über  ca. 65 cm Höhe errichtet, bedarf es der bauaufsichtlichen Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik in Berlin. Das gilt nicht nur für die tragende Unterkonstruktion, sondern auch für die Dielen selbst. Desgleichen gilt für die Befestigungsmittel. Dielen des norwegischen Herstellers Kebony haben jetzt vom Deutschen Institut für Bautechnik die Zulassung für diesen Einsatzbereich erhalten.

„Damit ist Kebony Clear 22 x 142 derzeit das einzig modifizierte Holz mit einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ) und darf neben z.B. Ipé und Bongossi, für tragende Konstruktionen in der Außenanwendung bis Gebrauchsklasse 3.2. verwendet werden, sagt Thomas Wilper, Sachverständiger für Terrassen. Er fügt hinzu: „Viele wissen nicht, dass das hierfür teilweise eingesetzte Bangkirai keine bewährte und zugelassene Holzart laut nach den derzeit gültigen Normen und Regelwerken ist und auch keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung hat. Damit realisierte Bauwerke genügen nicht den rechtlichen Vorschriften und es besteht die Gefahr, dass teure Aus- und Einbaukosten entstehen können.“

Dauerhaftes Nadelholz

Kebony Clear ist astfrei und hat Radiata Pine (Pinus radiata) als Grundholzart. Beim Kebony-Prozess wird das Holz furfuryliert, anschließend schonend getrocknet und wird dadurch sehr dauerhaft und dimensionsstabil. Zusätzlich verbessern sich die elastomechanischen Eigenschaften. Aufgrund der guten Tränkbarkeit der Radiata Pine erfolgt die Modifizierung über den gesamten Querschnitt. So entsteht ein Produkt mit vergleichbaren Qualitäten wie Teakholz (SANDER 2015).

Es kann wie Hartholz verarbeitet werden und kommt vor allem im Außenbau zum Einsatz, speziell für Terrassen und Fassaden. Da die gesamte Produktkette nachhaltig und FSC®-zertifiziert ist und keine synthetische Chemie zum Einsatz kommt, wurde Kebony mittlerweile sechs Mal in die Liste der Global Cleantech 100 aufgenommen und vom World Economic Forum als Tech Pioneer ausgezeichnet. Selbst die Entsorgung ist unproblematisch, da es keine toxischen Substanzen enthält.

Speziell dort, wo Nadelholz gewünscht wird, aber zugleich eine hohe Dauerhaftigkeit und Dimensionsstabilität gefragt ist, kommt Kebony zum Einsatz. Ein Beispiel: Das Naturbad Murg am Rhein, direkt an der Schweizer Grenze gelegen, wurde vor einigen Jahren renoviert und mit schönen Stegen aus Lärchenholz ausgestattet. Aber schon nach wenigen Jahren traten die ersten Probleme auf. Kinder verletzten sich an Holzsplittern, Beschwerden von Badegästen häuften sich.

Aufgrund ständiger Durchfeuchtung des Holzes faulten die Belege von unten durch und zogen auch die Trägerkonstruktion in Mitleidenschaft. Das Ende vom Lied: Die Stege mussten rückgebaut werden – kurz nach Ablauf der Gewährleistungsfrist. Da hier wieder Nadelholz und kein dauerhaftes tropisches Hartholz zum Einsatz kommen sollte, entscheid man sich für Kebony.

Im Falle des Naturbades bestand die bauaufsichtliche Zulassung von Kebony Clear noch nicht, sodass auf niedrige Steghöhen geachtet werden musste. Nun verschafft die bauaufsichtliche Zulassung Architekten und Planern wesentlich mehr Gestaltungsspielraum. Es kommt damit auch für aufgeständerte Terrassen, Stege, Decks, Galerien und Brücken in Betracht. Bisher musste unter den Dielen eine tragende Schicht vorhanden sein. Die kann nun entfallen, da Kebony Clear selbst als tragendes Material eingestuft ist.

Zugelassener Anwendungsbereich für Kebony Clear

Kebony Clear Decking (22 x 142 mm) darf laut der bauaufsichtlichen Zulassung Z-9.1-863 „für tragende, brettförmige Belege (z.B. Terrassen- und Balkonbeläge) in den Nutzungsklassen 1 bis 3 verwendet werden, die nach DIN EN 1995 1-1 in Verbindung mit DIN EN 1995 1-1/NA bemessen und ausgeführt werden“ (DEUTSCHES INSTITUT FÜR BAUTECHNIK 2017). Damit kann das Holz für trockene und nasse Einsatzbereich gleichermaßen eingesetzt werden. Folgende Gebrauchsklassen für Kebony Clear sind abgedeckt (Tabelle 1).

Terrassen, Balkone und ähnliche Holzkonstruktionen im Außenbau sind nach DIN 68 800, Teil 1 meist der Gebrauchsklasse 3 zuzuordnen. Kriterien sind dabei die direkte Bewitterung (nicht unter Dach) und kein ständiger Erd- oder Wasserkontakt. Kann das befeuchtete Holz schnell wieder abtrocknen, gehört es in die Gebrauchsklasse 3.1. Ist aber anzunehmen, dass sich Wasser im Holz anreichert, auch räumlich begrenzt, dann gehört es in die Gebrauchsklasse 3.2.

Tabelle 1: Zulassungsbereich für Kebony Clear Decking

Die Anzahl von bewährten und zugelassenen Holzarten  für tragende Konstruktionen in der die Gebrauchsklasse 3.2 ist nur sehr eingeschränkt. Dazu gehören unter den Laubhölzern Eiche, Merbau, Afzelia, Angelique, Azobé, Ipé, Keruing und Teak und unter den Nadelhölzern Lärche, Douglasie und kesseldruckimprägnierte Kiefer. Zudem haben nur wenige WPC-Produkte die Zulassung.

Je nach Zulassung werden auch besondere Kenntnisse an die verarbeitenden Handwerker für die Erstellung tragender Konstruktionen gestellt. Teilweise müssen auch Nachweise zu speziellen Schulungen vorliegen. Diese sind bei Kebony nicht vorgeschrieben, so dass jeder Tischler und Zimmerer Kebony für tragende Konstruktionen verarbeiten darf. Die Bestimmungen der bauaufsichtlichen Zulassung müssen aber  sowohl beim Verteiler als auch beim Verwender vorliegen und beachtet werden.

Hierzu einige Details aus der Zulassung: Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für Kebony Clear Decking 22x142 mm geht von einem mittleren Rohdichtebereich von 600-670 kg/m³, einer maximalen Gleichgewichtsfeuchte von 6.2% und von einer Dauerhaftigkeit der Klasse 1 aus. Um diese Werte zu erreichen, muss das Holz die Behandlungsklasse A (FA Klasse) aufweisen. Das muss auf dem Lieferschein neben der Produktbezeichnung, dem Maximalwert der Gleichgewichtsfeuchte, dem Herstellwerk und der Brandklasse („normalentflammbar“, Klasse Efl nach DIN 1350 1-1)  dokumentiert sein.

In der Bauplanung ist der statische Nachweis für die Standsicherheit in jedem Einzelfall zu führen. Bei der Ausführung durch den Handwerker sind die DIN EN 1995-1-1 und die DIN EN 1995-1-1/NA sowie die DIN 68 800 zu beachten. Für die Herstellung von Holzverbindungen dürfen nur selbstbohrende Holzschrauben aus nicht rostendem Stahl (mindestens A 2 Güten) verwendet werden. Als Unterkonstruktionen können bauaufsichtlich zugelassene Hölzer oder Aluminiumkonstruktionen zum Einsatz kommen.

Dokumentation

Bitte laden Sie die Dokumentation hier herunter.

 

Kebony beim "Wonder Wood" Spielplatz in Rebild, Dänemark, VEGA Landkab, Foto: Simon Jeppesen
Kebony beim "Wonder Wood" Spielplatz in Rebild, Dänemark, VEGA Landkab, Foto: Simon Jeppesen

 

Steg im Stadtpark Slussplan, Malmö, MANDAWORKS, Foto: Anthony Hill Photography
Steg im Stadtpark Slussplan, Malmö, MANDAWORKS, Foto: Anthony Hill Photography

 

Fußgängerbrücke Nordische Botschaften, Berlin, Foto: Salih Usta
Fußgängerbrücke Nordische Botschaften, Berlin, Foto: Salih Usta

 

Literatur

  • Deutsches Institut für Bautechnik (2017): Allgemeine Bauaufsichtliche Zulassung für Kebony Clear Decking , Zulassungsnummer Z-9.1-863, 21. Februar 2017. 
  • Sander, Constantin (2016) Kebony expandiert nach Mitteleuropa. Holz-Zentrabl. 142 (49:) 1211

Autor

Dr. Constantin Sander ist Diplom-Holzwirt, hat acht Jahre in der Forschung und Entwicklung im Holzbereich gearbeitet und neun Jahre Erfahrung in Marketing und Vertrieb, zuletzt als Marketingleiter. Er betreibt seit 2008 in Heidelberg und Regensburg ein Beratungsbüro.
Email: mail@treeland.de