Kebony auf Expansionskurs

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Kebony expandiert nach Mitteleuropa

Kebony expandiert nach Mitteleuropa

Autor: Dr. Constantin Sander ist Diplom-Holzwirt, hat acht Jahre in der Forschung und Entwicklung im Holzbereich gearbeitet und neun Jahre Erfahrung in Marketing und Vertrieb, zuletzt als Marketingleiter. Er betreibt seit 2008 in Regensburg ein Beratungsbüro.

Das norwegische Unternehmen Kebony ist auf dem skandinavischen Holzmarkt mit seinem nachhaltig modifizierten Holz inzwischen gut etabliert. Auch in Deutschland steigt seit Jahren die Nachfrage. Jetzt ist Kebony in Deutschland als Fensterholz zugelassen. Im nächsten Jahr macht Kebony den großen Sprung und baut eine neue Fertigung in Belgien auf. 

„Wir modifizieren nicht, wir zaubern“, sagt Marcell Bernhardt, Deutschland-Chef von Kebony. Er verantwortet den Vertrieb für Kebony in Deutschland. Kebony „verzaubert“ europäisches und amerikanisches Kiefernholz mit Hilfe einer Bioflüssigkeit, dem Furfurlyalkohol, der aus Biomasse gewonnen wird (Sander 2010). Synthetische Chemie kommt nicht zum Einsatz. Durch die Behandlung erhöhen sich Dimensionsstabilität und Dauerhaftigkeit signifikant, so dass Kebony die Qualitäten tropischer Harthölzer erreicht.

Bearbeiten und Entsorgen lässt sich Kebony dabei wie unbehandeltes Holz. „Somit ist unsere gesamte Prozesskette nachhaltig“, sagt Bernhardt. Von der europäischen Biozidrichtlinie ist Kebony befreit. Das norwegische Unternehmen wurde als Technologie Pionier beim Weltwirtschaftsforum ausgezeichnet und ist bereits vier Mal in der Global Cleantech 100 gelistet.

Härter als Teak

Kebony expandiert nach Mitteleuropa

Bei der Furfurylierung wird das Holz zunächst mit Furfurylalkohol getränkt. Dieser vernetzt sich dann in einem zweiten Schritt unter Wärmeeinwirkung in der Zellwand und sorgt damit für eine permanente Quellung des Holzes. Die Effekte sind vielfältig: Die Rohdichte steigt, damit auch die Härte. Während die Biegefestigkeit im Vergleich zum unbehandelten Holz nahezu unverändert bleibt, steigt das Biege-E-Modul an, die Bruchschlagarbeit sinkt. Die kapillare Wasseraufnahme wird deutlich reduziert, das Holz wird weitestgehend hydrophobiert. Daher sinkt die Gleichgewichtsfeuchte auf unter 7%.

Die maximale Quellung des trockenen Holzes bis zur Fasersättigung erreicht nur noch etwa 50% der entsprechenden Werte beim unbehandelten Holz. Die Dauerhaftigkeit des veredelten Holzes erhöht sich auf Klasse 1 beziehungsweise 1-2, je nach verwendeter Ausgangsholzart. Das ist zum einen der stark verminderten Holzfeuchte geschuldet, die das Wachstum von Mikroorganismen vermindert, und zum anderen der Blockierung der funktionellen Gruppen im Holz durch den Furfurylalkohol. Die Enzyme der holzabbauenden Pilze erkennen das Holz nicht mehr als Substrat. Zudem ist Kebony termitenresistent. 

Neue Fabrik in Belgien

Kebony expandiert nach Mitteleuropa

Nach mehreren Jahren des starken Wachstums überschreitet die Nachfrage nach Kebony in absehbarer Zeit die Produktionskapazität in der bestehenden Fabrik in Vold (Norwegen). Eine  zusätzliche Fertigung in Belgien soll planmäßig 2017 in Betrieb gehen. Dazu wird das Unternehmen eine Investition in der Höhe von 19,05 Mio. Euro tätigen. Die Finanzmittel sind mit ca. 15 Mio. Euro durch neue Anteile gesichert und zu einem kleineren Betrag aus Krediten finanziert (ca. 4,05 Mio. EUR). Das flämische Investment Unternehmen PMV und die staatliche Investinor aus Norwegen führten diese neue Investment-Runde an, die sowohl für bestehende wie neue Investoren offen war. 

Christian Jebsen, CEO von Kebony, kommentiert: „Kebony hat über die letzten sieben Jahre Verkaufssteigerungen am internationalen Markt von durchschnittlich 35% erlebt. Die Sicherung neuer Investments ermöglicht Kebony, die Kapazität zu steigern und das Wachstum zu beschleunigen - im Einklang mit der Nachfrage und neuen Marktchancen.“

Thomas Hoegh, Vorsitzender des Aufsichtsrates, ergänzt: “Diese Investitionsrunde ist ein Meilenstein für das Unternehmen. Unsere erste Fabrik auf dem europäischen Festland wird so gestaltet sein, wie zukünftig unsere Lizenzanlagen arbeiten werden. Sie wird den Export unserer Technologie und Marke ermöglichen und somit Vorteile für unsere Distributions- und Lizenzpartner bringen. Die Region Flandern in Belgien ist der perfekte Ort, um unseren ersten Wachstums-Hub zu errichten.“ 

Zulassung als Fensterholz

Zulassung als Fensterholz Zulassung als Fensterholz

Die Hürde für neue Hölzer im Fensterbereich ist in Deutschland sehr hoch. Das erste Fensterprojekt bearbeitete die Fa. Häußler aus Speyer – allerdings in Norwegen. Für modifizierte Hölzer verlangt die Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren entsprechend dem Merkblattes HO.06-4 umfangreiche Untersuchungen am Rohmaterial, an Fensterkomponenten und an fertigen Fenstern. Neben den elasto-mechanischen Eigenschaften werden unter anderem Quell- und Schwindverhalten, Dauerhaftigkeit,  Schraubenauszugswiderstand, Brandverhalten, Wärmeleitfähigkeit, Verleimbarkeit, die Verträglichkeit mit Oberflächenbeschichtungen, Befestigungsmitteln, Dichtstoffen, Dichtprofilen, die Staubentwicklung bei der Verarbeitung und die Emission von VOCs untersucht. An Fensterkomponenten werden zudem Verklebung und Festigkeit im Eckbereich getestet. Die Untersuchungen zeigten die Eignung von Kebony für den Fensterbau.

Auch nach Freibewitterung über zwei Jahre zeigten sich keine Schäden. „Der Verband stellt mit der HO.06-4 diese hohen Anforderungen, um den Herstellern zum einen Sicherheit zu geben, was die Eignung des modifizierten Holzes  angeht, aber gleichzeitig auch Empfehlungen zur Be-und Verarbeitung des Holzes anzubieten“, sagt Diplom-Holzwirt Eike Gehrts, Koordinator des Fachgremiums zur Holzartenliste, das die VFF Merkblattreihe "Holzarten für den Fensterbau“ betreut. 

Kebony Clear (Southern Yellow Pine) hat nun die offizielle Zulassung des Verbandes Fenster und Fassade (VFF). An den vorausgehenden Tests beteiligt waren das Buckhardt Institut der Georg August Universität Göttingen, Abteilung Holzbiologie und Holzprodukte, das Institut für Fenstertechnik in Rosenheim, das Thünen Institut in Hamburg, SHR Holzforschung in Wageningen, das SP Technical Research Institute in Schweden sowie das Norsk Treteknisk Institut in Oslo. Unterstützt wurde das Verfahren von den Menck Fenster in Hamburg und NOKA in Saterland. Anfang 2016 soll die Empfehlung auch auf Kebony Clear (Radiata) erweitert werden. Derzeit laufen noch abschließende Tests beim ift. 

Außerdem hat Kebony für Terrassendielen aus Kebony Clear (Radiata) und Character (Nordische Kiefer) die bauaufsichtliche Zulassung beim Deutschen Institut für Bautechnik (DIBT) beantragt. Zukünftig könnte Kebony dann auch für Terrassen und  Pieranlagen (ab 50- 60 cm über dem Grund, je nach Landesbauverordnung) und für Balkone als freitragende Diele eingesetzt werden. 

Verarbeitung wie Hartholz

Verarbeitung wie Hartholz

Kebony lässt sich nach Aussage des Herstellers verarbeiten wie Hartholz. Verarbeiter und Anwender sollten sich bewusst sein, dass es allenfalls optisch noch mit den Ausgangsholzarten vergleichbar ist. Die relativ hohe Dichte des Materials erfordert entsprechend ausgestattete Werkzeuge. Es kann ähnlich wie Eiche oder Robinie bearbeitet werden. Speziell für den Fensterbereich wurden verschiedene Leimarten getestet. Die besten Ergebnisse erzielten EPI und PUR-Leime. Für Eckverbindungen kann auch Propellerleim verwendet werden. Bei einer Schlitz-Zapfen-Verbindung des Testfensters wurde die Gewichtsklasse 180 kg erreicht (Flügelgewicht). Die Verleimung mit anderen Holzarten wie z.B. Fichte und Kiefer ist unproblematisch und ermöglicht es, Kebony gezielt als Außenlamelle in  der Kantel einzusetzen. So erreicht das Fenster dort die entsprechenden Eigenschaften, wo sie gefordert sind. 

Für eine die deckende Oberflächenbeschichtung sollten Acryllacke verwendet werden. Diese ergaben in den Tests die besten Ergebnisse. Bei deckenden weißen Beschichtungen mit Alkydharzen kann es zu Vergilbungen kommen. Auch bei den Kontaktmaterialien ist Kebony unproblematisch. Die getesteten Dichtstoffe aus Neutral-Silicon und Alkoxy-Silikon zeigten im Test keine Beeinträchtigungen. Bei den Dichtprofilen zeigten sich die Werkstoffgruppen 1-4 als geeignet. Profile der Werkstoffgruppe 5 (Weich-PVC) sollte allerdings nicht verwendet werden. 

Unter Gesundheits- und Umweltaspekten waren die Untersuchungsergebnisse des Thünen-Instituts und der Berufsgenossenschaft ebenfalls positiv: Sowohl die Emissionen von VOCs als auch die Staubbelastung bei der Verarbeitung liegen im unproblematischen Bereich. Mit geringen Ausdünstungen von Furfural und Essigsäure muss allerdings gerechnet werden. Bei Vergleichsmessungen der Holz-Berufsgenossenschaft in einem Verarbeitungsbetrieb wurde keine Überschreitung der MAK-Werte festgestellt. 

Projekte in Deutschland

Kebony Projekte in Deutschland

Marcell Bernhardt berichtet, dass die Nachfrage nach Kebony in den letzten Jahren stetig ansteigt. „Die neuen Kapazitäten der geplanten Anlage in Flandern werden dringend benötigt“, sagt er. Die Norweger waren in den letzten Jahren sehr stark in Skandinavien und auf den britischen Inseln aktiv. Gerade bei ökologisch orientierten Architekten und Planern hat Kebony starkes Interesse gefunden. Große internationale Aufmerksamkeit bekam Kebony durch die Installation eines Pavillons namens KREOD während der Olympischen Spiele in London 2012. KREOD besteht aus drei Elementen mit jeweils wabenförmiger Holzfassade, die in einer Reihe von Konfigurationen kombiniert werden können. Dieser Pavillon ist nicht nur außergewöhnlich, sondern auch wetterfest. 

Insbesondere im Bereich Fassade und Terrasse ist Kebony auch in Deutschland präsent. Auf Usedom wurden Strandwege und ein Kindergarten aus dem norwegischen Holz gestaltet. In Berlin erhielt ein japanisches Teehaus eine Innenausstattung aus Kebony und bei Fulda gönnte sich ein Ehepaar eine 200 qm große Kebony-Terrasse für ihr exklusives Haus. Gratenau Holz in Bremen ist exklusiver Vertriebspartner für den Bereich Terrasse und Fassade in Deutschland. Fensterkanteln aus Kebony liefert NOKA aus Saterland. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir den deutschen Holzmarkt noch mehr beflügeln können“, sagt Sabine Domayer, Marketingchefin von Kebony. Sie muss es wissen, denn die Österreicherin hat zuvor Werbung für einen bekannten Energy Drink gemacht. 

Literatur:

Sander, Constantin (2010): Edelholz aus Norwegen. Holz-Zentrabl. (2) 16

Autor:

Dr. Constantin Sander ist Diplom-Holzwirt, hat acht Jahre in der Forschung und Entwicklung im Holzbereich gearbeitet und neun Jahre Erfahrung in Marketing und Vertrieb, zuletzt als Marketingleiter. Er betreibt seit 2008 in Regensburg ein Beratungsbüro.